Ergo was?
Endlich hat mal einer was gegen diese elendigen Ergo-Plakate geschrieben. Vollkommen unseriös die Werbung. Statt auf superlässig zu machen, hätten sie lieber erklären sollen, wer oder was eigentlich Ergo ist und wo der Versicherer herkommt. Hier die Stilkritik aus der heutigen SZ.
Der neue hat es nie leicht. Und je länger der Alte da war, desto schwerer wird es. Das gilt fürs Zwischenmenschliche und erst recht fürs Finanzielle - schließlich lassen sich die Deutschen eher scheiden, als dass sie die Bank wechseln. Herr Kaiser war verdammt lang da: 35 Jahre verkaufte er im Dienst der Hamburg-Mannheimer Versicherungen. Vergangenen Herbst musste er abtreten, weil seine Sparte in der Ergo-Gruppe aufging. Also erst mal Respekt für den Neuen - das ist Sebastian Ströbel. Der 33-Jährige hatte mal eine Rolle in "Kommissar Rex", jetzt macht er Werbung für Ergo. Auf den Plaketen fläzt er sich mit Brad-Pitt-Bart in einem Lederdrehstuhl, und im TV-Spot sagt er Sachen wie: "Könnt ihr nicht einfach mal aufhören, mich zu verunsichern, und anfangen, mich zu versichern?" Dann setzt er Kopfhörer auf und hört Norah Jones, im Regal seiner Hamburger Altbauwohnung steht eine Plattensammlung.
Aber der Neue hat ein Problem: Herrn Kaiser. Der war kein lässiger Altbaumieter, eher der Typ freistehendes Einfamilienhaus. Er trug Anzug und Lederschuhe. Um lässig rüberzukommen, lockerte er höchstens die Krawatte oder kickte den WM-Fußball. Herr Kaiser hätte niemals gejammert, sein Leben sei kompliziert. Er wusste immer genau, was zu tun war. Spießig, dafür kaiserlich versichert.
Der Neue hat nicht mal einen Namen. Dafür ist er genau der Typ, der auch für unangekündigte Gäste immer eine Flasche Rotwein auf den Tisch stellt. Aber eben auch einer, der eine Anleihe nicht von einer Aktie unterscheiden kann, der einer netten Beraterin Bonus- und Bottomless-Zertifikate locker abnehmen würde. Davon gibt es schon genug! In Zeiten, wo nicht mal das zinslose Sparbuch sicher ist, braucht es für Haftpflicht, Riester-Rente und Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Leute wie Herrn Kaiser: Sie haben die Finanzkrise verstanden und die einzig richtige Lösung provisionsfrei parat. Bei Versicherungen ist es halt wie im zwischenmenschlichen Bereich: Auf Dauer geht es nicht ohne ein Quäntchen Spießertum. Corinna Nohn
Der neue hat es nie leicht. Und je länger der Alte da war, desto schwerer wird es. Das gilt fürs Zwischenmenschliche und erst recht fürs Finanzielle - schließlich lassen sich die Deutschen eher scheiden, als dass sie die Bank wechseln. Herr Kaiser war verdammt lang da: 35 Jahre verkaufte er im Dienst der Hamburg-Mannheimer Versicherungen. Vergangenen Herbst musste er abtreten, weil seine Sparte in der Ergo-Gruppe aufging. Also erst mal Respekt für den Neuen - das ist Sebastian Ströbel. Der 33-Jährige hatte mal eine Rolle in "Kommissar Rex", jetzt macht er Werbung für Ergo. Auf den Plaketen fläzt er sich mit Brad-Pitt-Bart in einem Lederdrehstuhl, und im TV-Spot sagt er Sachen wie: "Könnt ihr nicht einfach mal aufhören, mich zu verunsichern, und anfangen, mich zu versichern?" Dann setzt er Kopfhörer auf und hört Norah Jones, im Regal seiner Hamburger Altbauwohnung steht eine Plattensammlung.
Aber der Neue hat ein Problem: Herrn Kaiser. Der war kein lässiger Altbaumieter, eher der Typ freistehendes Einfamilienhaus. Er trug Anzug und Lederschuhe. Um lässig rüberzukommen, lockerte er höchstens die Krawatte oder kickte den WM-Fußball. Herr Kaiser hätte niemals gejammert, sein Leben sei kompliziert. Er wusste immer genau, was zu tun war. Spießig, dafür kaiserlich versichert.
Der Neue hat nicht mal einen Namen. Dafür ist er genau der Typ, der auch für unangekündigte Gäste immer eine Flasche Rotwein auf den Tisch stellt. Aber eben auch einer, der eine Anleihe nicht von einer Aktie unterscheiden kann, der einer netten Beraterin Bonus- und Bottomless-Zertifikate locker abnehmen würde. Davon gibt es schon genug! In Zeiten, wo nicht mal das zinslose Sparbuch sicher ist, braucht es für Haftpflicht, Riester-Rente und Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Leute wie Herrn Kaiser: Sie haben die Finanzkrise verstanden und die einzig richtige Lösung provisionsfrei parat. Bei Versicherungen ist es halt wie im zwischenmenschlichen Bereich: Auf Dauer geht es nicht ohne ein Quäntchen Spießertum. Corinna Nohn
7an - 2010-08-18 15:51
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